Wer war Wilhelm Schickard?

Wilhelm Schickard, nach dem das Institut fĂŒr Informatik an der UniversitĂ€t TĂŒbingen benannt ist, erfand und baute um 1620 die erste (urkundlich erwĂ€hnte) mechanische Rechenmaschine.

Biografie

Wilhelm Schickard wurde am 22. April 1592 in Herrenberg geboren. Er besuchte die Lateinschule in Herrenberg, das fĂŒrstliche Alumnat in Bebenhausen und kam dann in das theologische Stift TĂŒbingen - der ĂŒbliche Bildungsweg fĂŒr einen Theologen. Bereits im Jahr 1614, mit 22 Jahren, war er Diakon in NĂŒrtingen.

Neben den kirchlichen Pflichten beschÀftigte er sich intensiv mit alten Sprachen, Astronomie und Mathematik. Im Jahr 1617 begann eine lange wÀhrende Freundschaft mit dem zwanzig Jahre Àlteren, in Linz lehrenden Johannes Kepler. Dieser lobte Schickards sowohl wissenschaftliche als auch praktische FÀhigkeiten und nannte ihn einen "BeidhÀndigen Philosoph".



Lange vor Pascal und Leibniz erfand er 1623 damit eine mechanische Rechenmaschine, die bereits Addition und Subtraktion beherrschte. Ihre Besonderheit ist der automatische ZehnerĂŒbertrag. Multiplikation und Division waren jedoch nur unter der tĂ€tigen Mithilfe des Benutzers möglich. Bei der Multiplikation etwa mußte der Benutzer die Teilprodukte mit Hilfe von Neperschen RechenstĂ€ben bestimmen und diese dann in das sechsstellige Summierwerk zum Addieren eingeben.

 

Das einzig vollendete Exemplar ging in den Wirren des DreißigjĂ€hrigen Krieges verschollen, eine zweite AusfĂŒhrung, die Schickard fĂŒr seinen Freund Johannes Kepler zur Berechnung der komplizierten Planetenbahnen in Auftrag gegeben hatte, wurde bei einem Brand vernichtet. Anhand von Zeichnungen und Beschreibungen aus den NachlĂ€ssen Schickards und Keplers rekonstruierte der TĂŒbinger Professor B. v. Freytag-Löringhoff in den Jahren 1957 bis 1960 die Schickardsche "Rechenuhr" und stellte ihre FunktionstĂŒchtigkeit unter Beweis.

WĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges hatten die kaiserlichen Truppen die Pest nach TĂŒbingen und Herrenberg mitgebracht. Wilhelm Schickards Frau und drei seiner Töchter starben an dieser Seuche. Am 24. Oktober 1635 erlag auch er, erst 43 Jahre alt, zusammen mit seinem neunjĂ€hrigen Sohn dieser Krankheit.